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Prinzen und Motorräder - Firma Hollister, Zimmern

In einem kleinen schwäbischen Flecken bei Rottweil gehen Scheiche und Prinzen aus und ein. Nicht alle freilich, nur jene, die gerne Motorrad fahren. Denn dort in Zimmern-Horgen werden die schönsten Motorräder der Welt gebaut.

Wenn Volker Sichler hohen Besuch hat, dann stinkt’s. Der Geruch von verbranntem Benzin vermischt sich dann mit dem süßlichen Geruch von Motoröl, wenn der Chef der Firma Hollister’s Motorcycles am Gashahn dreht und den Sound des neuen Motorrads demonstriert.

Dann kann es schon einmal passieren, dass ein saudischer Prinz aus London mit dem eigenen Flugzeug aus London einfliegt, auf dem Flugplatz in Villingen-Schwenningen landet und sich in die Werkstatt von Volker Sichler fahren lässt, um dort ein maßgenau für ihn angefertigtes Motorrad abzuholen. Prinz Bandar Al Fasail aus Saudi-Arabien heißt dieser Prinz und hat sich in Zimmern schon zwei Motorräder gekauft. So begeistert war er von dem Produkt, dass er von Sichler für den Kronprinzen von Bahrain, Scheich Salman bin Hamad Al Khalifa, ein Motorrad bauen ließ. Ein Geschenk von Motorradliebhaber zu Motorradliebhaber, kleine Aufmerksamkeiten unter Freunden.

Die Begeisterung kommt nicht von ungefähr. Vor drei Jahren wurden Volker Sichler und sein Unternehmen, die Firma Hollister’s MotorCycles, auf der alljährlichen Daytona Bikeweek in Florida sozusagen geadelt, als dort offiziell bescheinigt wurde, dass Hollister’s das schönste Motorrad der Welt gebaut hätte.

Wenn der Motorradbauer über diesen Erfolg spricht, dann mit Stolz – aber er lässt keinen Zweifel daran, dass das nur ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu seinem eigentlichen Ziel ist: „Ich habe damals angefangen mit gar nix und alle sagten: Der hat doch einen Schuss. Die sind heute ruhig. Mein Ziel ist ganz einfach, die Marke Hollister’s als international anerkannte Marke zu etablieren.“ Dafür setzt Sichler auf Qualität. An seinen Motorrädern sei garantiert nichts aus Plastik, verspricht er, und garantiert, dass bis auf den Motor alles in seiner Werkstatt entstehe. Das hat seinen Preis. Ab 25.000 Euro ist eine echte Hollister’s zu haben, das ist die kleinste Klasse. Das Topmodell, die Excite, geht ab 100.000 Euro los; schöne Dinge kosten nun einmal Geld.

Die Kunden, die so viel finanziellen Spielraum haben, müssen aber noch mehr auf sich nehmen; denn obwohl Hollister’s expandiert und demnächst Niederlassungen in Australien, Monaco und Russland eröffnen möchte, soll die Werkstatt auch weiterhin in Horgen verbleiben. Er sei, insistiert Volker Sichler, eben ein echter Rottweiler. Wenn ein Kunde nicht sofort vorbeikommen kann, dann ruft er ihn schon einmal an und lässt den aufheulenden Motor in den Telefonhörer dröhnen.

„Wir müssen einfach globaler denken“, sagt der Motorradbauer und erwähnt in einem Nebensatz, dass er derzeit ohnehin auf Abruf stehe. Irgendwann dieser Tage wird für ihn am Flughafen in Stuttgart ein Ticket nach Saudi-Arabien hinterlegt. Prinz Bandar hat ihn gebeten, das fertige Motorrad endlich zu liefern.

 
schatten