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Alles Gold, was glänzt - Pforzheim ist die Goldstadt Deutschlands

Schon seit über 200 Jahren gibt es für edle Schmuckwaren in Deutschland eine besonders gute Adresse: die nördlich des Schwarzwalds gelegene Stadt Pforzheim, die auch „Goldstadt“ genannt wird.

Bereits im Jahre 1767 wurde der Grundstein für die Schmuckindustrie in Pforzheim gelegt: In einem Edikt vom 6. April gestattete Markgraf Karl Friedrich von Baden dem Franzosen Jean François Autran die Errichtung einer Taschenuhrenfabrik. Noch im gleichen Jahre folgte die Erlaubnis zur Erweiterung in eine Schmuck- und Stahlwarenfabrik. Kurz nach der hoheitlichen Gründung der Uhren- und Schmuckmanufaktur sorgten privatwirtschaftliche Initiativen für eine Expansion, so dass Pforzheim schnell zur bedeutendsten Fabrikstadt der Markgrafschaft Baden wurde. Im Ausland sprach man sogar von „Klein-Genf“.

Der Aufschwung hielt bis ins 20. Jahrhundert an: Noch 1913 war die Hälfte aller Pforzheimer in der Schmuck- und Uhrenindustrie tätig. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges zählte die Schmuckindustrie immerhin noch 24.000 Beschäftigte. Im Krieg wurde die Pforzheimer Schmuckindustrie durch alliierte Bombenangriffe dann aber nahezu komplett zerstört. Doch nach dem Krieg erlebte die Industrie einen neuerlichen rasanten Aufstieg: Bereits 1953 war Pforzheim wieder Hauptlieferant der Welt für Schmuck und Silberwaren.

Heute hat Pforzheim über 118.000 Einwohner und ist damit die achtgrößte Stadt Baden-Württembergs. Über 11.000 Arbeitnehmer sind in der Stadt und im Enzkreis in der Schmuck- und Uhrenindustrie beschäftigt. Knapp 70 Prozent des Umsatzes der deutschen Schmuck- und Silberwarenindustrie wird in der Goldstadt Pforzheim erwirtschaftet. Und etwa acht von zehn Schmuckstücken, die aus Deutschland exportiert werden, sind Pforzheimer Ursprungs.

Vor allem vier Namen stehen bis heute für die große Schmucktradition Pforzheims: Die Familien Wellendorff, Scheufele, Mohr-Mayer und Leicht sind nicht nur in Fachkreisen ein Begriff. So ist es beispielsweise der Familie Mohr-Mayer zu verdanken, dass auch heute noch prächtige Fabergé-Eier hergestellt werden. Über Generationen wurde die raffinierte Kunst des Emaillierens weitergegeben.

Aber nicht nur innerhalb der Juwelier-Familien wird das jahrhundertealte Know-how der Schmuck- und Uhrenindustrie bewahrt. Auch mehrere Einrichtungen stehen dafür: Die bereits 1768 entstandene Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule, die erste Gewerbeschule der Welt, ist Ausbildungsstätte für alle Schmuck- und Uhrenberufe. Und seit Anfang der 1990er Jahre hat die Pforzheimer Fachhochschule für Gestaltung, Wirtschaft und Technik ein Schmucktechnologisches Institut.

Nicht nur bei Käufern erfreuen sich Schmuckstücke aus Pforzheim größter Beliebtheit. Auch viele Touristen kommen in die Stadt, um edle Schätze zu bewundern: So ist im Reuchlinhaus das weltbekannte Schmuckmuseum, in dem es einen europaweit einzigartigen Überblick über 5000 Jahre Schmuckgeschichte gibt. Und die 2005 eröffneten „Schmuckwelten Pforzheim“ sind ein Erlebniszentrum mit Verkaufsabteilungen, in dem beispielsweise auch ein Goldener Porsche ausgestellt wird. Am 17. Juni 2006, also mitten in der Fußballweltmeisterschaft, wird der einjährige Geburtstag der „Schmuckwelten“ mit einer großen „Golden Night“ gefeiert. Glänzende Augen sind garantiert.

 
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