Die Startbedingungen für einen erfolgreichen Lebensweg waren für den jungen Wilhelm Maybach, der 1848 in Heilbronn geboren wurde, alles andere als gut. Als er in jungen Jahren seine Eltern verliert, kommt er ins "Bruderhaus" nach Reutlingen - ein fortschrittliches Waisenhaus mit dazugehörender Maschinenfabrik zur Ausbildung der Jugendlichen. Im Nachhinein betrachtet ein glücklicher Umstand, trifft er doch im Bruderhaus auf den Mann, der sein Leben entscheidend prägen sollte: Gottlieb Daimler.
Daimler kommt 1865 nach Reutlingen, um dort die Leitung der Maschinenfabrik des "Bruderhauses" zu übernehmen. Schnell erkennt er die technische Begabung von Wilhelm, der neben seiner Lehre als technischer Zeichner noch Mathematik und Physik an der Abendrealschule büffelt. Es ist der Beginn einer lebenslangen Freundschaft und der Anfang einer sehr erfolgreichen Zusammenarbeit zweier Männer, die die Entwicklung des Automobilbaus entscheidend prägen sollten.
Maybach und Daimler führt ihre gemeinsame berufliche Tätigkeit nach Karlsruhe, Köln und schließlich Stuttgart. Die Reihe der bahnbrechenden Innovationen, an denen Wilhelm Maybach maßgeblich beteiligt war, ist lang:
1873 bringt Maybach den Otto-Motor zur Serienreife, ebenso wie vier Jahre später den ebenfalls von Nicolaus Otto konstruierten Viertaktmotor. Unter Daimlers Leitung konstruiert Maybach 1885 das erste Motorrad der Welt. Der sogenannte Reitwagen wird mit einem 0,5-PS-Motor betrieben. 1886 bauen Maybach und Daimler schließlich das erste Automobil der Welt. Mit der Entwicklung des Spritzdüsenvergasers sichert sich Wilhelm Maybach einen Eintrag in die Annalen der Motorenentwicklung. Seine Konstruktion wird zur Grundlage der modernen Vergasertechnik und nach dem Tod von Gottlieb Daimler (1900) konstruiert Maybach den ersten „Mercedes-Rennwagen“.
In den folgenden Jahren widmet sich Wilhelm Maybach, gemeinsam mit seinem Sohn Karl, in erster Linie dem Bau von Luftschiffmotoren für die Zeppelin-Werke in Friedrichshafen.
Als Deutschland nach dem ersten Weltkrieg keine Motoren für Luftschiffe mehr bauen darf, besinnt sich Wilhelm Maybach auf seine Wurzeln. In Friedrichshafen stellt er mit Sohn Karl eigene Autos her. Von Anfang an setzen sie auf luxuriöse Autos, für die sie kraftvolle, laufruhige Motoren entwickeln. Ein Höhepunkt ist der Maybach Typ 12 von 1929, das erste Automobil mit V12-Motor. Der Name Maybach wird schnell zum Synonym für zeitlose Eleganz, höchste handwerkliche Präzision und größtmöglichen Luxus im Automobilbau.
1929 stirbt Wilhelm Maybach 83-jährig in Stuttgart. Aufgrund seiner herausragenden Leistungen für den Automobilbau wird er posthum in die „Automotive Hall of Fame“ – die Ehrenhalle der Automobilkonstrukteure in Michigan und die „European Automotive Hall of Fame“ in Genf aufgenommen. In der Laudatio auf den Verstorbenen wird Wilhelm Maybach mit dem Ehretitel „König der Konstrukteure“ bedacht. Sein Sohn Karl führt den Automobilbau bis 1941 weiter, dann endet die Autoproduktion, doch der Name und der Mythos der Marke Maybach leben weiter.
2002 lässt DaimlerChrysler die Tradition wieder aufleben: es werden wieder Luxuslimousinen mit dem legendären Doppel-M-Signet gebaut, die den allerhöchsten Ansprüchen genügen. Wer einmal die Chance bekommt, den Komfort eines Maybachs genießen zu dürfen, darf sich auf ein Erlebnis freuen, das mit dem gewöhnlichen Autofahren nicht mehr viel zu tun hat. Bei einem Preis von rund 350.000,-€ und 612 PS sind hohe Erwartungen durchaus gerechtfertigt.