Springe direkt zu: Hauptnavigation | Inhalt | Suche | Weitere Informationen, Links und Downloads | Service-Funktionen
Dynamic Navigator
Dynamic Navigator
Sie sind hier: Startseite > 
Bosch baut Forschungszentrum in Renningen
Forschungszentrum kann kommen

Böblingen - Die Zitterpartie für Renningen (Kreis Böblingen) hat offenbar ein Ende. Am Donnerstag soll ein Kompromiss unterzeichnet werden zwischen dem Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), Ministerpräsident Günther Oettinger sowie dem Vorstand der Firma Bosch. Das Papier besiegelt die Ansiedlung eines Forschungszentrums des Technologiekonzerns auf dem jetzigen Bundeswehrgelände in Renninger Teilort Malmsheim. Der Bosch-Chef Franz Fehrenbach wolle selbst dieses sogenannte Eckpunktepapier unterschreiben, bestätigt das Staatsministerium.

Rund 160 Millionen Euro will Bosch für die Bündelung seiner Grundlagenforschung investieren - in der ersten Ausbaustufe. In dem "Zentrum für Vorausentwicklung" am Rand des einstigen Militärflugplatzes sollen zunächst 1500 Mitarbeiter forschen. "Alle Beteiligten haben sich in ihren Verhandlungspositionen ziemlich bewegt", sagt ein Unterhändler. In dem neuen Eckpunktepapier verzichtet Bosch auf die sofortige Übernahme des gesamten Geländes durch den Bund. Gut zehn Jahre Zeit wird dem Land eingeräumt, einen neuen Militärübungsplatz zu finden.

Aus aufgelassenen Militärstandorten wie Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) gibt es offenbar schon positive Signale. Die Bundeswehr kann die weiten Wiesenflächen in Malmsheim bis dahin weiter für Übungssprünge nutzen. "Die werden sich gegenseitig nicht wehtun, weil Bosch in einzelnen Stufen aufbaut und nicht gleich das ganze Gelände benötigt", so ein Beobachter, der den Verhandlungen beigewohnt hat.

Mit der Unterzeichnung des Eckpunktepapiers kommt ein Projekt unter Dach und Fach, dass seit dem Verhandlungsbeginn im Jahr 2007 einige Hindernisse zu nehmen hatte. Wie berichtet, waren sich Bosch und die Bundeswehr nach anfänglicher Euphorie im vergangenen Herbst plötzlich überhaupt nicht mehr einig über den Verkauf des Geländes. Der Bosch-Konzern hatte immer wieder betont, man habe "größtes Interesse" am Standort in der Region, doch das Militär bestand plötzlich auf seinem Übungsplatz. Fallschirmspringer, vor allem die der deutschen Eliteeinheit KSK (Kommando Spezialkräfte) aus Calw, wollten den Malmsheimer Flugplatz behalten. Nur dort könnten sie der alten Anflugrechte wegen Übungen durchführen, die auf anderen Flugplätzen oder Freiflächen im Land nicht möglich seien, so die Argumentation.
Zunächst waren die Fronten verhärtet


Tatsächlich schien es vielen Renningern auch so, als ob erst seit dem vergangenen Herbst die Zahl der Militärflüge über dem Flugplatz wieder zunehme - nachdem jahrelang die alte Segelfliegerwiese nur alle paar Monate von Fallschirmspringern in Beschlag genommen wurde. Das Militär beharrte auf seiner Position: Solange kein Ersatzplatz im Südwesten von der Politik zur Verfügung gestellt werde, wolle man Malmsheim nicht abgeben.

In der Konzernzentrale von Bosch gab es ebenfalls klare Positionen: Der Hightechkonzern wollte nicht in einem gemischt genutzten Gebiet bauen, er wollte das gesamte Areal kaufen. Bosch geht es nämlich um die Erweiterungsmöglichkeiten auf Jahrzehnte hinaus. Die Positionen schienen lange Zeit unversöhnlich, ein angekündigtes Spitzengespräch mit Bosch-Managern und dem Verteidigungsminister platzte, und Ministerpräsident Oettinger machte bei einer Tour durch den Kreis Böblingen im Februar nicht gerade Hoffnung auf eine Einigung zwischen Bund und Bosch. Am Rande des Besuchs hieß es sogar: "Warum konzentriert sich alle Welt nur auf Bosch in Malmsheim?" Der Hightechkonzern könne doch auch woanders im Südwesten unterkommen. Das lehnten die Lenker auf der Gerlinger Schillerhöhe stets ab - zur Freude der Renninger, die auf Arbeitsplätze hoffen.
Die Zukunft des Meinsheimer Flugplatzes


Das Militärgelände im Renninger Teilort Malmsheim liegt für die Hochtechnologieentwickler von Bosch ideal: schön abgeschirmt am Waldrand, aber mitten in der Region Stuttgart, fast schon in Sichtweite zum Porsche Entwicklungszentrum in Weissach und zum Daimler-Forschungscenter am Sindelfinger Mittelpfad. Und es ist auch nur wenige Kilometer entfernt von den Bosch-Standorten auf der Gerlinger Schillerhöhe, in Schwieberdingen sowie dem ebenfalls neuen Entwicklungszentrum in Abstatt.

In dem in Malmsheim geplanten Zentrum "Voraus- und Grundlagenforschung" will die Firma Bosch rund 1500 Stellen konzentrieren und teilweise aus anderen Standorten in Europa zusammenziehen. In dem Zentrum soll es weniger um Details, etwa die neueste Dieseleinspritzpumpe, gehen, sondern um die großen Themen für den Konzern, die in Zusammenhang mit der Mobilität der Zukunft stehen.

Das Bestechende an dem Kompromiss: obwohl Bosch so schnell wie möglich bauen will, wird sich für die Segelflieger, die Mercedes-Testfahrer auf der Betonpiste und auch für militärische Fallschirmspringer in Malmsheim so schnell nichts ändern. Bosch benötigt zunächst nur das Bundeswehrlager am Waldrand im Norden des rund 100 Hektar großen Areals.

 

Foto:
Bis jetzt ist er Freizeit-, Test - und militärisches Übungsgelände. Bald wird der Flugplatz in Malmsheim jedoch den Forschern von Bosch zur Heimat. factum/Archiv

 

Quelle:
Stuttgarter Zeitung, Michael Schmidt

 
schatten